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Was ist eine Innovation und wie kommt die Idee in die Welt?

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Abschlussberichte > Abschlussbericht 6. Initiative > Was ist eine Innovation und wie kommt die Idee in die Welt?

Gero Nagel

Innovation im digitalen Ökosystem
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Innovation, vom lateinischen "innovare" abgeleitet, wird im Allgemeinen für Erfindungen verwendet, die sich in die Lebenswelt integriert haben. Man spricht also üblicherweise dann von einer Innovation, wenn die Idee oder Erfindung auch ihren Weg in die Praxis gefunden hat.
Es gibt verschiedene Arten von Innovationen. Grundsätzlich lässt sich zwischen Push- und Pull-Innovationen unterscheiden: Push-Innovationen sind "gute Ideen" aus der Wirtschaft, die mit der Marktreife mittels verschiedener Werbestrategien von der Gesellschaft angenommen werden sollen. Dies können neue Autos, ein neues soziales Netzwerk oder neue Dienstleistungen sein. Die Innovation wird gewissermaßen in die Lebenswelt "gedrückt".
Pull-Innovationen entstehen genau andersherum. Es wird von der Gesellschaft nach einer Innovation verlangt. Ein klassisches Beispiel ist die Teleportation. Viele Menschen warten sehnsüchtig auf ein Gerät, das es ihnen ohne Zeitverzug erlaubt, an einen anderen Ort zu gelangen. Sollte dies je technisch möglich werden, wird diese Innovation sehr wahrscheinlich sofort von der Gesellschaft aufgenommen.
Im Sprachgebrauch wird das Wort "Innovation" meist für Push-Innovationen genutzt. Diese müssen sich ihre gesellschaftliche Akzeptanz jedoch erst noch erarbeiten, was mitunter zu Problemen führen kann.
Rafael Capurro, Philosoph und emeritierter Professor für Informationswissenschaft meint dazu:
Die Innovation, das Neue, ist eine Anomalie gegenüber dem Alten. Eine Anomalie widerspricht dem Alten, dem Bisherigen und wirkt wie ein Fehler. Daher kommt auch das Problem der Innovation, dass sie sich gegenüber dem Bewährten erstmal durchsetzen muss.
Pull-Innovationen hingegen stehen nicht vor solchen Herausforderungen. Es sind meist von der breiten Gesellschaft getragene Innovationen, die sich aus gesellschaftlichen Debatten herauskristallisiert haben.
Die Akzeptanz einer Innovation ist besonders bedeutend, wenn sie disruptiven Charakter hat - also Bestehenendes durch Neues ersetzt oder vollständig verdrängt wird. Das Internet selbst ist eine disruptive Technologie - und auch eine Platform auf der disruptive Technologien gedeihen.
Im digitalen Ökosystem gibt es insbesondere zwei große Themenbereiche, die sich mit dem Internet so sehr verändert haben, dass sie sich nicht mehr an herkömmliche Konventionen halten können: Das eine ist das Urheberrecht, dessen ursprüngliche Konzeption die Möglichkeiten des Internets kaum berücksichtigt und das andere ist der Privatheits-Öffentlichkeits-Komplex. Beide Themen werden seit Jahren intensiv und kontrovers diskutiert. Dies weist auf ein hohes Innovationspotential in Bezug auf weitere Entwicklungen und Lösungsvorschläge hin.
Das Vorzeigebeispiel ist die Wikipedia. Die zunehmende Verbreitung des Internets hat das Auffinden von Informationen zwar massiv vereinfacht - doch die gefundenen Informationen konnten nur schwer validiert werden. Die Wikipedia (gegründet 2001) bietet eine Plattform auf der jeder sein Wissen teilen und das anderer Nutzer validieren kann. Eine Folge dieser Innovation ist, dass der Brockhaus als ehemals größte Enzyklopädie nicht mehr gedruckt wird, weil die Wikipedia sich aufgrund ihrer hohen Aktualität und Ausführlichkeit durchgesetzt hat.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass der Einführung von Innovationen stets eine gesellschaftliche Debatte vorausgehen sollte. So kann sichergestellt werden, dass die Mehrheit der Gesellschaft von Innovationen profitiert. Geschieht dies nicht, besteht die Gefahr, dass sich die Gesellschaft spaltet in eine Gruppe, die Innovationen nutzt und eine andere, die sie ablehnt. Gänzlich kann diese Diskussion natürlich nicht im Vorfeld geführt werden, aber es gibt Herausforderungen, auf die a priori eingegangen werden kann und muss. Rafael Capurro sieht dieses Potential insbesondere in digitalen Innovationen:
Innovationen im digitalen Ökosystem haben die Tendenz zu einer Robotisierung des Menschen in jeder Form. Das wer-sein wird immer mehr zum was-sein. Die Daten bestimmen letzten Endes, wer ich bin. Dies führt letztlich zur Freiheitsdebatte: 'was kann ich entscheiden, was hängt von mir ab, was will ich, wer bin ich' - Und ich glaube, dass diese Anomalien ein Indikator für mögliche Innovationen sind. Große politische Debatten bezeugen, dass sich etwas verändert und in dieser Veränderung können neue Innovationen entstehen.


Literaturempfehlungen und Links

Blind, Knut (2011): [http://www.hiig.de/wp-content/uploads/2012/04/Index-of-Innovation-Paper.pdf The Internet as Enabler for New Forms of Innovation] Berlin: Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft.

Bundesgerichtshof (2009): Patentnutzung bei Monopolen auch ohne Lizenz möglich (Urteil vom 06.05.2009 - “Orange Book Standard”). Dazu die Rechtssprechung und ein Kommentar bei Telemedicus

Centre for Innovation Law and Policy

Feld, Brad (2012): Startup Communities: Building an Entrepreneurial Ecosystem in Your City. New Jersey: Wiley.

Innovationsmodelle.

Mercator Forscherverbund (2012): Verbundstudie zu Sozialunternehmertum in Deutschland: Innovationsimpulse, Verbreitungsschwächen, Kooperationspotentiale.

Posner, Richard A. (2012): Why There Are Too Many Patents in America. In: The Atlantic.

Wissenschaftlicher Beirat des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (2007). Patentschutz und Innovation

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